Wartezeiten ein unvermeidliches Übel?

Es ist definitiv nicht angenehm, wenn man einen Termin ausgemacht hat und dann noch Ewigkeiten im Wartezimmer schmoren muß, wobei die Laune dann auf dem Tiefpunkt landet.

Es ist uns ebenso unangenehm wie ihnen, denn auch unsere Arbeitszeit läuft uns derweil davon und das gesamte Personal arbeitet so lange, bis der letzte Patient die Praxis verlassen hat. Da wird es bei mir schon einmal 21.30 oder die Mittagsapause ist komplett Illusion. Dies hat überwiegend folgende Gründe:

Wie sie mit Sicherheit aus den Medien erfahren haben gibt es ein gravierendes Nachwuchsproblem mit den Hausärzten bzw Allgemeinmedizinern. De facto ist es zur Zeit so, dass sämtliche Praxen, die aus Altersgründen geschlossen werden, keinen Nachfolger haben und somit komplett aus der Versorgung verschwinden. 

Die Stammpatienten sind nun gezwungen, sich einen neuen Hausarzt zu suchen, was zunehmend schwierig wird, da viele Kollegen keine Neupatienten mehr aufnehmen wollen, was auch damit zu erklären ist, dass bei Ausweitung der Patientenzahlen, der entsprechende Arzt empfindlich finanziell abgestraft wird, obwohl er all diese Patienten doch versorgt hat.

Verrückte Welt??  Aber so was von......!!

Bisher konnte ich mich noch nicht dazu durchringen, Patienten, die um Aufnahme baten fortzuschicken, weil auch dieses Klinkenputzen gerade für ältere hilfsbedüftige Patienten eine unzulässige Erniedrigung darstellt

In Anbetracht dieser nicht absehbaren Patientenvermehrung tun wir wirklich unser Bestes, möglichst jedem Anliegen gerecht zu werden und falls ein Krankheitsfall einmal akut mehr Zeit benötigt, dann nehme ich sie mir auch, denn das würde jeder Andere letztendlich auch so erwarten und weniger auf die Patienten achten, die noch im Wartezimmer sitzen. 

Was ich allerdings nicht toleriere ist, dass oft der Unmut über Wartezeiten an den Helferinnen teils in sehr übler Form abgelassen wird, Diese arbeiten bereits absolut am Limit und haben schon reichlich damit zu tun, das ständig klingelnde Telefon zu bedienen. 

Um unnötige Wartezeiten zu vermeiden haben wir jetzt ein Rezepttelefon geschaltet, auf welches sie ihre Rezeptwünsche aufsprechen können, so dass ihr Rezept am Folgetag abholbereit liegt. Nutzen sie diesen Service, denn er schafft mehr Ruhe und Zeit an der Anmeldung.

Gemäß dem Grundsatz " Wir arbeiten für ihr Leben gern!" versuchen wir mit allen Mitteln,ihre Wünsche und Probleme zu bearbeiten, nur wenn es einmal etwas hakt, weil ein Notfall hereinkommt oder ein Patient auf Grund der Erkrankung mehr Zeit benötigt, dann seien sie nachsichtig, denn auch sie könnten einmal in eine solche Situation kommen und würden es dann nicht gutheissen, wenn der Doktor ständig zur Uhr schauen würde und ihnen das Gefühl geben würde, dass er eigentlich gar keine Zeit für sie habe. 

Mittlerweile hat sich die Situation durch den Weggang eines weiteren Kollegen so sehr verschärft, dass wir einen Aufnahmestopp für Neupatienten verfügt haben, da ansonsten die Qualität der Behandlung Schaden nehmen könnte.Dies gilt ausdrücklich nicht für Patienten mit Diabetesproblemen.