Sind wir eigentlich noch zu retten?

Nein! Ursprünglich wollte ich einmal die papierfreie Praxis  schaffen, wurde dann aber im Laufe des Praxisdaseins mehr und mehr desillusioniert. Wir werden zugeschüttet mit ständig neuen Vorschriften, Vorlagen, Bescheinigungen, Formularen,Aushängen, Vordrucken etc. etc.

Damit aber nicht genug. Mindestens einmal im Quartal wird eine Änderung an irgendeinem Formularvordruck durchgeführt, der eigentlich so überflüssig wie ein Kropf ist. Die Folge: Zu Beginn des neuen Quartals funktioniert gar nichts mehr, so wie am 1.April letzten Jahres als kein Formular mehr gedruckt werden konnte. Aprilscherz? Leider nicht!

Der Gipfel der Überflüssigkeit ist allerdings jetzt erreicht mit der Durchsetzung  neuer Kodierrichtlinien, die einen geraumen Teil der Arbeitszeit verschlingen werden, nur um das Krankheitsbild möglichst filigran in einer Kodierziffer abzubilden. Wem das etwas nützt? Niemanden! denn zu allem Überfluß stimmt dieses System noch nicht einmal mit den internationalen Richtlinien ja sogar noch nicht einmal mit den Anwendungen, mit welchen die Krankenhäuser kodieren überein. Das Datenchaos oder auch der Datenfriedhof ist vorprogrammiert.

Trotz Petition im Bundestag, das Projekt wird von den Verantwortlichen durchgepeitscht, koste es was es wolle, denn auch die Kosten für einen solchen bürokratischen Moloch gehen in die Milliarden.

Eigentlich ist es wirklich befriedigend und erfüllend mit Menschen zu arbeiten, aber dieser ausufernde Unsinn kann einem den Spass an der Materie wirklich vermiesen, denn diese Zeit, die wir für immer neuen bürokratischen Unsinn ( kostenneutral) opfern müssen, geht dem eigentlichen Anliegen der möglichst umfassenden Zuwendung zum Patienten unwiderruflich verloren.

In Deutschland kann man langsam den Sinn des Arztberufes verdrehen: Es wäre alles so einfach, wenn nicht ständig die Patienten störend dazwischenkommen würden, die den Arzt von den bürkratischen Verpflichtungen abhalten.

Verkehrte Welt meint ihr Dr. Andreas Runde